Part 2

Oh weh, ich lieg ziemlich zurück hier. Bei Tagebuch siehts auch nicht viel besser aus, vor allem ist das jetzt voll. Wir sind ziemlich abgestürzt und hatten seit ner Woche kein Hotel mehr, weil wir jede Nacht mim Nachzug (zuletzt endlich auch mal wieder Sleeper, 2x) weiterfahren. Wir kommen dann morgends gegen 5h an und chillen erstmal noch ein paar Stunden halb erfroren und müde und ungewaschen in den Wartesälen, wo es zumindest wärmer ist und Toiletten und Waschbecken gibt. Letzte Nacht war eine Ausnahme und davor die haben wir zur Abwechslung mal ein paar Stunden in einem Bett schlafen dürfen, so halb umsonst. Gestern waren wir auf Kamelsafari durch die Thal-Wüste bei Bikamer und haben die Nacht in einem Zelt in der Wüste verbracht. Tagsüber ist es noch einigermaßen warm, aber nachts frieren wir schon die ganze Zeit total. Konnten zum Teil alle nicht schlafen, weil es so kalt war. Ich hab ja schon 3, jetzt 4 Decken, aber die sind alle dünn und wir haben kaum warme Klamotten. Außerdem hatte der Johan bis vor 2 Tagen garkeine Decke, also hat der eine bekommen (und kriegt sie nach wie vor) und eine ist zum auf-dem-Boden-liegen, also seeeeehr dreckig. Letzte Nacht war es endlich mal richtig warm, da wir richtig warme Decken bekommen haben, hab sogar Hose und dicke Jacke ausgezogen, das will einiges heißen. Davor die Nacht sind wir um 4h nachts in Bikamer angekommen und wurden zum Glück vom Veranstalter der Safari abgeholt und erstmal bis es los ging ohne zusätzliche Kosten in ein Zimmer mit Bett und Decken gesteckt, wofür wir ihn alle sehr gern hatten. Ich hatte sogar eine mehr oder weniger warme Dusche (die anderen mussten eiskalt duschen, hehe). Morgends sind wir dann von einem Dorf am Rand der Wüste mit unseren Kamelen losgeritten, zusammen mit einem Führer und einer ganz netten Familie aus Kanada. Die Wüste ist nicht so, wie man sich eine Wüste vorstellt- es gibt Bäume (eigentlich nur eine Art und an denen wachsen Sangri, leckere Bohnen) und Stäucher, aber natürlich ist überall Sand. Es gibt Antilopen, Kühe, Wüstenhunde, aber jetzt nichts groß aufregendes. Erstmal sind wir 2 Stunden geritten, was sehr lustig war. Erstens sahen die Jungs sehr lustig aus (Johan wie ein Schluck Wasser in der Kurve und Timmi mit der Decke um der Kopf wie ein Normade) und mein Kamel mich wunderbar mit Pippi und Kacke eingedeckt hat, weil es nicht viel mehr als rülpsen, kacken, pupsen und pissen gemacht hat und dann alles mit dem Schwanz abgewischt und fröhlich damit gewedelt hat. Irgendwann haben die den dann festgebunden. Außerdem war mein lieber Sehru ziemlich geil und hat ständig seine Zunge aufgeblasen. Sehr lustig. Wir haben gelernt, dass männliche Kamele, wenn sie geil sind, ihre Zunge aufpusten können und das machen die die ganze Zeit. Die hängt dann an der Seite raus und dann wird einmal Luft geholt und gepustet. Nach der Mittagspause wurd das dann noch lustiger, weil vor mir der Johan mit seinem weiblichen Kamel geritten ist und Sehru viel Vergnügen daran hatte mit der Nase in ihrem Arsch zu hängen und dann genüsslich die Nase in die Luft zu strecken. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Ein Tag war uns zwar allen genug, aber der hat sich auf jeden Fall gelohnt. Abends wurd es dann richtig kalt. Erst gab es Tee, dann hatten wir *Freizeit* und irgendwann wurde ein Feuer angezündet und Musiker haben ganz romantisch musiziert. Das war echt schön. Wir sind dann ziemlich bald nach dem Essen ins Zelt, zum einen weil es kalt war, zum anderen, weil wir heute morgen gegen 7h mit dem Jeep (nicht, wie geplant, mit dem Camelcart) wieder zurück in die Stadt gebracht wurden. Heute haben wir Bikamer angeguckt und warten jetzt mal wieder auf den Zug, der aber erst um 2h fährt, General Class nach Amrizzar. Zum bisherigen Verlauf der Reise: Mumbai ist echt richtig schön. Ich hätte nicht erwartet in Indien eine hübsche Großstadt zu finden (Bangalore ist sooo hässlich), aber Mumbai hat mich echt überzeugt. Den ersten Tag haben wir einen langen Spaziergang durch die Stadt gemacht, zum Gate of India usw. Leider ist es ziemlich teuer, weshalb wir am Ende in einem Hostel gelandet sind, in dem die Zimmer belegt waren, wir also auf Schlafsäle ausweichen mussten, sprich, Jungs und Mädchen getrennt. Nach dem Spaziergang hat sich mal wieder die indische Organisation gezeigt- mein Zimmer war eigentlich schon voll, meine Sachen von dem vermeidlich freien Bett geschmissen worden und ich sozusagen obdachlos. War aber alle kein Problem und hat sich als Segen herausgestellt- ich wurde in einem anderen Zimmer untergebracht, in dem wesentlich umgänglichere Leute waren und vor allem war mein Hochbett gleich neben der Tür, die anderen alle um die Ecke, also voll davon getrennt. Besonders am nächsten Tag war ich sehr froh darüber, den hab ich nämlich mit Fieber im Bett verbracht, während die Jungs ins Museum und zur Moschee sind. War garnicht so geil, aber ich bin schon echt froh, dass das dann passiert ist und nicht jetzt, wo wir ständig unterwegs sind. Ich konnte immerhin den ganzen Tag im Bett liegen und schlafen. Den Timmi hats vorgestern richtig erwischt, da hatte der Fieber und wir sind ja nachts wieder im Zug gewesen. Der ist nach wie vor nicht ganz fit, aber immerhin besser. Da bin ich schon dankbar, dass ich das in Mumbai hatte. Den nächsten Tag hatten wir ne geführte Tour durch ein Slum gebucht (das, in dem Slumdog Millionaire gedreht wurde). Das ganze war schon gut und interessant, bloß ging es mir halt echt noch scheiße. Aber die Jungs waren beide sehr süß und der Johan hat den ganzen Tag meine Tasche getragen, damit ich mich erholen kann. Das Slum selbst hat mich jetzt nicht so umgehauen, wie ich es erwartet hätte, aber das ist auch nicht gerade repräsentativ. Das ist halt ziemlich gut organisiert und entsprechend geordnet. Das Hauptproblem sind mangelnder Platz und mangelnde Bildung. Aber die sind jetzt nicht so jämmerlich arm, es gibt genügend zu essen, fast alle haben nen Fernseher zuhause und manche Kinder werden sogar auf Privatschulen geschickt. Also die Armut ist garnicht so groß. Wir haben hier in Indien schon wesentlich schlimmeres gesehen. Ich glaube wir sind da etwas abgehärtet. Die Touristen (3), die mit uns die Tour gemacht haben, waren glaube ich wesentlich geschockter. Abends sind wir noch mit einem Boot zur Elephanta Island, was uns nicht so begeistert hat, aber zum Glück kommen wir immer mit den indischen Preisen davon, da ärgert man sich nicht wirklich. Die Touristenpreise sind oft ein Vielfaches von denen, die die Inder bezahlen müssen. Aber wir arbeiten ja in Indien...Von Mumbai ging es weiter zu dem Höhlentempeln in Ajanta und Ellora, die wirklich schön sind. Einige davon sind schon richtig toll, andere umso weniger. Vor Ajanta hab ich dann ein traumatisches Erlebnis gehabt. Da waren zwei Babyhunde, die zusammen nach Futter gesucht haben, Alter und Größe etwa wie unsere Babys. Der eine davon war sehr mutig oder leichtsinnig und hat an der Straße Melone gefunden. Die ganze Zeit ging es gut, aber dann kamen von 2 Seiten Autos und der ist in Panik geraten und vor meiner Nase ist ein LKW drüber gefahren. Das hat ein grausames Geräusch gemacht, das ich im Leben nie wieder vergessen werde und dann sind da Stücke von dem durch die Luft geflogen. Das war echt schrecklich. Ich hab 2 Nächte lang noch davon geträumt und ich glaube ich werde nie wieder einen Babyhund sehen können ohne daran zu denken. Und ich frage mich ständig was aus dem zweiten geworden ist. Der ist jetzt ganz allein und hat das alles angucken müssen. Die nächsten Stationen waren Ahmedabad, Udaipur, Jodhpur (blaue Stadt), Jaisalmer (goldene Stadt) und Jaipur (pinke Stadt). Wüstenstädte, die mehr oder weniger schön waren. Insgesamt ist der Norden schon anders als der Süden. Das Essen ist schärfer, hier muss sogar ich manchmal zugeben, dass es scharf ist, was im Süden eigentlich nie der Fall war. Die Männer sind wesentlich dreister mir gegenüber, also sprechen mich direkt an. Der Timmi ist nicht mehr so gut als Mauer. Sonst haben die immer den zuerst angesprochen, was jetzt auch oft noch der Fall ist, aber wenns bei den Jungs nicht geht, dann kommen sie eben zu mir. Im Süden sind die Frauen gegenüber wesentlich zurückhaltender. Und die Armut ist halt schon größer, als im Süden und die Straßenkinder hängen zum Teil echt schlimm am Arm und sind kaum loszuwerden. So, dass muss als Update erstmal reichen. Nach Amrizzar gehts nach Dharamsala, dann Chandigar, Kullu, Delhi, Agra, irgendwas und dann von Delhi etwa 40 Stunden mim Zug zurück nach Bangalore, wo wir dann noch nen Tag haben. Bald ist alles vorbei- ich will nicht!

30.1.12 16:16

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen